Truth Social von Trump tritt in den Prognosemarkt ein und konkurriert direkt mit Polymarket.
Zum Zeitpunkt der Einführung von Truth Predict plant Polymarket eine Rückkehr auf den US-Markt.
Zum Zeitpunkt der Einführung von Truth Predict plant Polymarket eine Rückkehr auf den US-Markt.
Autor: Joel Khalili, Wired Magazine
Übersetzung: Saoirse, Foresight News
Truth Social ist eine Social-Media-Plattform, an der der US-Präsident Donald Trump und seine Familie mehrheitlich beteiligt sind. Die Plattform führt nun einen auf Kryptowährungen basierenden Wettservice ein, der in direkten Wettbewerb mit dem beliebten Polymarket treten wird.
Dieser neue Service mit dem Namen „Truth Predict“ ermöglicht es Truth Social-Nutzern, mit Kryptowährungen auf den Ausgang bestimmter Ereignisse zu wetten, darunter Sportwettkämpfe, politische Wahlen und wirtschaftliche Entwicklungen. Truth Social wird von der börsennotierten Trump Media & Technology Group (TMTG) betrieben.
In der Regel wird eine einzelne Prognose als binäre Frage präsentiert, zum Beispiel: „Wird Taylor Swift vor dem 2. Oktober einen neuen Originalsong veröffentlichen?“ oder „Wird Barcelona die Champions League gewinnen?“
Im Vorfeld der US-Präsidentschaftswahlen 2024 rückten Prognosemärkte erstmals ins Rampenlicht der breiten Öffentlichkeit. Befürworter behaupten, dass diese Märkte eine bessere Alternative zu traditionellen Umfragen darstellen und eine effizientere „Quelle der Wahrheit“ sind.
Devin Nunes, CEO der Trump Media & Technology Group, erklärte in einer Stellungnahme: „Mit Truth Predict fördern wir die Demokratisierung von Informationen und ermöglichen es der amerikanischen Bevölkerung, mithilfe kollektiver Intelligenz die Meinungsfreiheit in umsetzbare, vorausschauende Urteile zu verwandeln.“
Truth Predict wird in Zusammenarbeit mit einer verbundenen Institution der Kryptowährungsbörse Crypto.com eingeführt. Der Prognosemarktbereich wird derzeit hauptsächlich von Polymarket und Kalshi dominiert, die beide kürzlich Finanzierungsrunden mit Bewertungen in Milliardenhöhe abgeschlossen haben.
Zum Zeitpunkt der Einführung von Truth Predict plant Polymarket eine Rückkehr auf den US-Markt – nachdem die Plattform während der Amtszeit von Joe Biden gezwungen war, die USA zu verlassen. Im Jahr 2022 beschuldigte die US-Regulierungsbehörde Commodity Futures Trading Commission (CFTC) Polymarket, einen nicht registrierten Derivatemarkt betrieben zu haben. Polymarket einigte sich mit der Behörde, wobei der Rückzug vom US-Markt eine der Bedingungen war.
Im November 2024 wurde die Wohnung von Polymarket-CEO Shayne Coplan vom FBI durchsucht. Das US-Justizministerium (DOJ) untersuchte zu diesem Zeitpunkt, ob die Plattform gegen das im Vergleich vereinbarte Verbot verstoßen und weiterhin Wetten von US-Bürgern angenommen hatte (Coplan wurde weder verhaftet noch angeklagt).
Nach der Rückkehr von Donald Trump ins Weiße Haus im Januar 2025 änderte sich die Situation. Unter der Trump-Regierung stellten die Regulierungsbehörden Klagen gegen bekannte Krypto-Unternehmen ein, und das Justizministerium wies Staatsanwälte an, bei bestimmten Krypto-bezogenen Straftaten „ein Auge zuzudrücken“.
Im Juli desselben Jahres berichtete Bloomberg, dass das Justizministerium die Untersuchung gegen Polymarket eingestellt und keine Anklage erhoben habe, was den Weg für die Rückkehr des Unternehmens auf den US-Markt ebnete.
Zach Hamilton, Gründer des Krypto-Startups Sarcophagus, sagte im Interview mit Wired: „Wenn man einen entscheidenden Grund dafür finden will, warum (Krypto-Prognosemärkte) in die USA zurückkehren konnten, dann ist es die Trump-Regierung – oder, um es klar zu sagen, Donald Trump selbst.“
Tatsächlich hatte die Trump-Familie bereits vor der Einführung von Truth Predict wirtschaftliche Interessen an der Entwicklung von Prognosemärkten in den USA.
Im Januar 2025 trat Donald Trump Jr. als strategischer Berater bei Kalshi ein; im August desselben Jahres erhielt Polymarket eine Investition von der Risikokapitalgesellschaft 1789 Capital, bei der Donald Trump Jr. als Partner tätig ist. Im Rahmen der Transaktion trat er auch dem Beirat von Polymarket bei.
Gerade als Polymarket eine Rückkehr auf den US-Markt anstrebte, baute die Trump-Familie eine Verbindung zu der Plattform auf. Diese Entwicklung wurde von Kritikern genau beobachtet, die darin einen möglichen Interessenkonflikt sehen. Kritiker sagen, dass diese Transaktion der Trump-Familie die Möglichkeit verschafft, von politischen Veränderungen unter der Trump-Regierung zu profitieren.
Jeff Hauser, Geschäftsführer des Revolving Door Project (einer Organisation, die das Verhalten gewählter Amtsträger überwacht), erklärte: „Niemand würde sagen, dass Familienmitglieder des Präsidenten in einem kapitalistischen Land keine normalen kapitalistischen Aktivitäten ausüben dürfen. Aber Polymarket befindet sich mitten in einer heftigen politischen Kontroverse, und daher stellt diese Investition einen erheblichen Interessenkonflikt dar – einen, der vermeidbar gewesen wäre.“
Karoline Leavitt, Pressesprecherin des Weißen Hauses, antwortete in einer Stellungnahme an Wired: „Der Präsident und seine Familie waren nie und werden niemals in einen Interessenkonflikt verwickelt sein.“
Bislang haben weder Polymarket, die Trump Media & Technology Group (TMTG) noch 1789 Capital auf Anfragen zur Stellungnahme reagiert.
Die Einführung von Truth Predict könnte zudem dazu führen, dass verschiedene Zweige des Trump’schen Wirtschaftsimperiums in direkten Wettbewerb zueinander treten.
Chris Perkins, Managing Partner der Krypto-Venture-Capital-Firma CoinFund, erklärte: „Aus Sicht von Venture Capital wollen viele von uns nicht in konkurrierende Projekte investieren und versuchen, solche Situationen zu vermeiden – wir suchen nach dem ‚Kategorie-Gewinner‘.“
Tatsächlich betreiben mit der Trump-Familie verbundene Unternehmen schon seit einiger Zeit konkurrierende Bitcoin-Treasury-Firmen; im Juni 2025 gab es zudem Streit darüber, welches Unternehmen das Recht habe, die ‚offizielle‘ Trump-Brand-Krypto-Wallet herauszugeben.
Haftungsausschluss: Der Inhalt dieses Artikels gibt ausschließlich die Meinung des Autors wieder und repräsentiert nicht die Plattform in irgendeiner Form. Dieser Artikel ist nicht dazu gedacht, als Referenz für Investitionsentscheidungen zu dienen.
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