Die asiatischen Aktienmärkte verzeichneten starke Verluste, und im Kryptomarkt wurden gehebelte Positionen im Wert von fast 1 Milliarde US-Dollar liquidiert. Nach dem über den Erwartungen liegenden CPI bewertet der Markt die Preislogiken für Risiko-Assets neu.
Am 15. Oktober fiel der südkoreanische KOSPI-Index im Tagesverlauf um bis zu etwa 8 %, der japanische Nikkei 225 verlor zeitweise mehr als 5 %. Die Abverkäufe an den asiatischen Märkten verstärkten sich durch die Schwäche der US-Techwerte. Bewertungsniveaus im KI-Sektor, Finanzierungsdruck und der künftige Zinskurs der US-Notenbank standen im Mittelpunkt des Marktinteresses.
Auch der Kryptomarkt geriet gleichzeitig unter Druck. Bitcoin fiel zeitweise unter 81.000 US-Dollar, Ethereum sank auf etwa 2.350 US-Dollar. In den vergangenen 24 Stunden wurden am Kryptomarkt Positionen im Wert von nahezu 1 Milliarde US-Dollar liquidiert, wobei der größte Teil aus bullischen Long-Positionen stammte.
Konzentrierte Long-Liquidationen, ETH unter stärkerem Druck
Laut CoinGlass-Daten wurden in den letzten 24 Stunden Kryptopositionen im Gesamtwert von rund 951 Millionen US-Dollar liquidiert, davon etwa 876 Millionen US-Dollar Long-Positionen.
Ethereum war eines der am stärksten betroffenen Assets: Hier wurden ETH-Positionen im Wert von etwa 283 Millionen US-Dollar liquidiert, davon über 261 Millionen US-Dollar aus Long-Positionen. Bei Bitcoin lag das Liquidationsvolumen bei etwa 196 Millionen US-Dollar.
Diese Liquidierungswelle zeigt, dass zuvor angesammelte gehebelte Long-Positionen bei einem raschen Preisrückgang massenhaft aufgelöst wurden. Zwangsliquidationen verstärken zudem den Verkaufsdruck und führen zu noch stärkeren Preisschwankungen.
Die Liquidationshöhe allein lässt jedoch keine Schlussfolgerung darauf zu, ob der Markt einen Boden gefunden hat. Entscheidend bleibt, ob künftige Spot-Käufe den Verkaufsdruck auffangen können und ob sich wieder gehebelte Positionen aufbauen.
Heißer CPI, schwankende Zinserwartungen
Der makroökonomische Druck resultiert aus den US-Inflationsdaten für September.
Der US-Gesamt-CPI stieg im Jahresvergleich um 3,7 %, der Kern-CPI legte um 2,6 % zu — beide Werte lagen über den Markterwartungen. Nach Veröffentlichung der Daten wuchs kurzfristig die Wette auf eine Zinserhöhung der Fed, der US-Dollar legte zu und Risiko-Assets gerieten unter Druck.
Allerdings setzte sich diese Zinserwartung nicht dauerhaft durch. Am 15. Oktober gaben Fed-Offizielle vorsichtige Signale und US-Staatsanleihen erholten sich, woraufhin sich die Erwartung einer weiteren Zinserhöhung im Oktober abschwächte. Laut Reuters stieg die Wahrscheinlichkeit, dass die Fed den Zinssatz im Oktober unverändert lässt, auf etwa 73 %.
Das bedeutet, der Markt steht aktuell nicht nur einem stärkeren US-Dollar gegenüber, sondern muss die Risiken von Inflation und Wirtschaftswachstum neu abwägen.
Zwei Signale im Fokus
Erstens, ob sich die asiatischen Aktienmärkte und US-Techwerte stabilisieren können. Sollten die Aktienmärkte weiter unter Druck bleiben, könnte die Risikoaversion zunehmen und sich auf Kryptowährungen übertragen.
Zweitens, ob Spot-Kapital den nach den Liquidationen steigenden Verkaufsdruck auffangen kann. Ob sich der Markt nach der massiven Bereinigung der gehebelten Long-Positionen stabilisiert, hängt von echten Käufen ab und nicht allein von rückläufigen Liquidationssummen.
Aktuell treten die Korrektur an den asiatischen Börsen, die Liquidationswelle im Kryptomarkt und die überraschend hohe US-Inflation zeitgleich auf — ein Indiz dafür, dass globale Risikoanlagen sich in einer Phase der Neubewertung befinden.
Entscheidend bleibt nicht, ob eine große Liquidationswelle abgeschlossen ist, sondern ob Kapital nach dem Abbau makroökonomischer Risiken bereit ist, erneut Risiken einzugehen.



