Die Qualität einer Währung hängt vom Ruf des Emittenten ab.
Warum blicken wir zurück und enthüllen die Geister der Ära der freien Banken.
Verfasser: Thejaswini M A
Übersetzung: Block unicorn
Im Jahr 1840 legte ein Ladenbesitzer ein Kontobuch unter seinen Ladentisch. Wenn du mit Papiergeld zahltest, holte er das Buch hervor und sah nach, wie viel dein Geld an diesem Tag wert war.
Ein von der Cincinnati Bank ausgegebenes Zehn-Dollar-Banknote war nicht überall zehn Dollar wert. Vielleicht nur neun. Ihr Wert konnte stark variieren. Wenn die Bank zusammenbrach und die Nachricht das County noch nicht erreicht hatte, war sie womöglich gar nichts mehr wert. Das bekannteste dieser Bücher stammt aus Philadelphia und trägt den Namen „Bicknell’s Counterfeit Detector“. Es war im Grunde eine Preisliste für Währungen, weil der Wert eines Dollars je nach Namen auf dem Schein variierte.
So war Amerika zwischen 1837 und 1863. Jede Bank mit einer staatlichen Lizenz konnte selbst Banknoten drucken, und eine Lizenz zu bekommen war einfach. Michigan begann 1837 damit, fast ohne Bedingungen Banken zu eröffnen, und das ganz ohne Genehmigung des Gesetzgebers. Tausende verschiedene Banknoten wurden zeitgleich überall im Land ausgegeben. Etwa ein Drittel der zirkulierenden Scheine war schlichtweg Falschgeld.
Jede Banknote war eine Wette auf die ausgebende Bank. Dieses System brach im Bürgerkrieg zusammen, als die Regierung eine einheitliche Dollarwährung druckte – teils um den Krieg zu finanzieren, aber vor allem, weil das Vertrauen in 8.000 private Banknoten die finanziellen Ressourcen des Landes erschöpfte.
Am 22. Juni wurde im Senat mit überwältigender Mehrheit (85 Ja, 5 Nein) der „Pathway to Housing for the 21st Century Act“ verabschiedet; das Repräsentantenhaus tat dies am Tag darauf. Versteckt in diesem Gesetz war eine Klausel, die der Federal Reserve verbietet, bis 2030 eine Central Bank Digital Currency (CBDC) herauszugeben.
Deshalb blicken wir zurück und holen die Geister der freien Banken hervor.
Der Dollar-Bestand deines Venmo-Kontos ist ein Versprechen der Bank an dich – wenn diese Bank pleitegeht, sind deine Mittel dem Risiko ausgesetzt, das über die Deckung durch die Federal Deposit Insurance Corporation (FDIC) hinausgeht. Eine Central Bank Digital Currency (CBDC) umgeht die Bank und erlaubt es dem Besitzer, Staatsgeld direkt digital zu halten.
Der Senat hat diesen Vorschlag aus zwei Gründen abgelehnt.
Ein vom Staat ausgegebener digitaler Dollar kann jeden Cent überwachen, den du ausgibst, und wie beim chinesischen digitalen Renminbi jederzeit dein Wallet einfrieren.
Zweitens sind die Banken vehement dagegen, weil Geld, das direkt bei der Federal Reserve liegt, nie in ihren Einlagenkonten landet. Sie würden ihren lebenswichtigen Float verlieren.
Nun, selbst die Unterzeichner scheinen sich unsicher darüber, was sie unterschreiben. Am 24. Juni, nur eine Stunde vor der Unterzeichnungszeremonie, hat Trump sie abgesagt und die Verabschiedung eines schon im Senat gescheiterten Wähler-Identifikationsgesetzes gefordert. Das Verbot wird aber wohl trotzdem Gesetz werden.
Gut, die Regierung wird keinen digitalen Dollar ausgeben. Gleichzeitig überlässt sie diese Aufgabe aber privaten Unternehmen. Das bedeutet: Der Weg von 1840 kehrt zurück.
Selbst nach der Unterzeichnung des GENIUS-Gesetzes im Juli 2025 liegt der regulatorische Fokus weiterhin auf der Qualität der Reserven, nicht auf strengen Zulassungsbedingungen. Etwa ein Dutzend Firmen stehen Schlange, um ihre eigene Dollar-Lizenz zu bekommen. Jede Fintech-Firma möchte ihre eigene Markenwährung haben.
Die aktuelle Marktgröße beträgt etwa 312 Milliarden Dollar. Tether‘s USDT und Circle’s USDC machen davon ca. 80 % aus. Zusätzlich gibt es PayPal’s PYUSD, Ripple’s RLUSD und White-Label-Token, die Paxos für jeden, der sie braucht, prägt. Alle wiederholen die Worte der Cincinnati Bank: „Vertrau uns, sie sind abgesichert.“
Jetzt ist nicht 1840, und Jim Carrey versucht immer noch zu beweisen, dass er kein Klon von sich selbst ist. Wir glauben an nichts, oder? Das ist sowohl gut als auch schlecht. Genau dieses Misstrauen zwingt Emittenten, Beweise für ihre Zuverlässigkeit vorzulegen und lässt sie hoffen, dass der Markt oberflächlich bleibt, denn eine Gruppe skeptischer Leute, die nie Fakten überprüfen, ist am einfachsten dazu zu bringen, ihr Geld zu geben.
Eine illegale Bank behauptete, ihre Banknoten seien durch Silber im Tresor gedeckt. Doch der so genannte Tresor war meist eine Tonne Nägel, versteckt im Wald, für Prüfer unerreichbar. Stablecoins sind dagegen mit US-Staatsanleihen besichert und veröffentlichen monatlich die dazugehörigen Quittungen. Im Bereich der Sicherheiten gibt es große Unterschiede, und Stablecoins haben hier die Überhand.
Abgesehen von den Sicherheiten taucht das nächste Problem auf: Ein Dollar ist ein Dollar, weil alle drei Bedingungen gleichzeitig erfüllt sind: Der Emittent hat Vertrauen in das Geld; die Reserven existieren tatsächlich und sind verfügbar; und im Krisenfall greift jemand ein. Wenn das gegeben ist, musst du dir darüber keine Gedanken machen.
Wenn eine dieser Bedingungen schwankt, wird die Währung wie im Jahr 1840 vom Emittenten Stück für Stück bewertet. So funktioniert Geld.
Selbst die Funktionsweise von Girokonten ist identisch. Der Staat garantiert alle drei Aspekte – daher ist die Mechanik unsichtbar. Bei Stablecoins dagegen siehst du genau, wie die Maschine funktioniert.
Tether ist der größte USDC-Emittent weltweit und zugleich am wenigsten transparent. Seine Reservenberichte wurden jahrelang infrage gestellt. 2021 erzielte Tether eine Einigung mit dem New Yorker Generalstaatsanwalt und gestand, dass die Reserven nicht immer so vorhanden waren, wie behauptet. Es gab Milliardentransfers an verbundene Unternehmen. Circle gilt als „der Gute“, beliebt bei Aufsichtsbehörden. Es lässt sich monatlich prüfen und wird ab 2025 börsennotiert. Doch was geschah im März 2023? Beim Zusammenbruch von Silicon Valley Bank (SVB) hielt Circle dort 3,3 Milliarden Dollar an USDC-Reserven. Am Wochenende fiel der USDC-Kurs auf 87 Cent, bis die Regierung SVB-Einlagen sicherte. Die Reserven waren da, aber ein Dollar war binnen 60 Stunden nur noch 87 Cent wert – weil niemand mehr glaubte, dass USDC eingelöst werden kann.
Heute will jede Zahlungsplattform ihren eigenen Dollar – PayPal hat PYUSD, Ripple hat RLUSD, außerdem USDG, das von einem Konsortium betrieben wird, und Bankentoken von Unternehmen wie JPMorgan und Western Union. Im Dezember 2025 vergab das U.S. Office of the Comptroller of the Currency (OCC) Trust-Bank-Lizenzen an Circle, Paxos und drei weitere Krypto-Firmen – die anderen ziehen nach. Da Tether ausgeschlossen wurde, brachte es den unabhängigen USAT-Token auf den Markt, um zurückzukehren.
Lies aber die Bedingungen genau: Dies sind Trust-Bank-Lizenzen, keine Versicherungsbank-Lizenzen. Die Federal Reserve bietet ihnen stark eingeschränkte Kontofunktionen, kein Überziehungskredit, keinen Zugang zum Notfall-Fenster – das Notfall-Fenster ist aber bei einem Bank-Run entscheidend.
Und diejenigen, denen du dein Geld gibst, sind ihre Plattenfirmen.
Paxos, das PYUSD und sechs weitere Marken-Token ausgibt, wurde bereits 2023 von den New Yorker Behörden gezwungen, Binance-Stablecoin-Emission einzustellen. Einige neuere Token haben nicht einmal Bargeldreserven. Ethena’s USDe basiert auf Derivate-Handelsstrategien zur Kursbindung.
Das Gesetz verbietet diesen Emittenten, dir Zinsen zu zahlen – sie suchen nach Wegen, das zu umgehen. Coinbase zahlt „Rewards“ für USDC. PayPal bietet 3,7 % Rendite auf PYUSD. Diese attraktiven Zinsen locken deine Einlagen. Im Unterschied zu FDIC-gesicherten klassischen Bankkonten sind diese Mittel nicht gesichert.
Weil Stablecoin-Token mit US-Staatsanleihen gedeckt sind, entscheidet Washington weiterhin über die Geldmenge. Die Zinsen dieser Anleihen fließen den Emittenten zu. Tether hat etwa 100 Mitarbeiter, erwartet 2025 einen Gewinn von rund 10 Milliarden Dollar und hält mehr US-Staatsanleihen als Deutschland.
Aber wenn alles schiefläuft, trägst du den gesamten Schaden. Ein Run ist, als würde jeder gleichzeitig durch eine Tür wollen, die eigentlich nur einen kleinen Zustrom ermöglicht. Stablecoins lassen sich nur schwer einlösen. Die meisten können Tether nicht direkt zurückgeben, sondern müssen es an wenige Arbitrageure verkaufen – durchschnittlich gibt es pro Monat nur sechs Tether-Arbitrageure, und direkte Rückgabe ist ab 100.000 Dollar möglich.
Wenn Tether morgen zusammenbricht, fällt der Wert von 100 Milliarden Token auf null. Tether besitzt so viele Staatsanleihen, dass ein Panikverkauf den Anleihemarkt selbst erschüttern würde.
Washington greift ein, weil die Alternative eine koordinierte Kredit- und Liquiditätsblockade wäre.
Die Regierung muss dafür nicht einmal einen globalen Crash auslösen. 1971 rettete sie Lockheed mit einer Bürgschaft über 250 Millionen Dollar und sicherte 60.000 Arbeitsplätze sowie den wichtigsten Pentagon-Lieferanten. Ein Navy-Admiral nannte das „eine neue Idee: Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren“.
Als die größte US-Eisenbahngesellschaft, die Pennsylvania Central, 1970 bankrott ging, ließ die Regierung das Unternehmen untergehen, setzte aber öffentliche Mittel ein, um Conrail zu bauen und die Eisenbahnen zu übernehmen – denn der Zugverkehr musste weitergehen.
Ein von 250 Millionen Personen genutztes Dollar-Token erfüllt diese Anforderungen mühelos. Die Regierung verweigert jahrzehntelang eine Bürgschaft für privat eingegangene Risiken, es sei denn, das private Risiko bedroht die öffentliche Infrastruktur.
Es gibt viele Möglichkeiten, dieses Problem zu lösen. Was wäre, wenn die Reserven des Emittenten direkt bei der Federal Reserve liegen – und nicht bei einer möglicherweise bankrotten Bank wie SVB? Das Run-Risiko wäre deutlich kleiner, weil die Federal Reserve nicht wie eine Regionalbank pleitegeht. Oder lasse den Emittenten reale Einlagensicherung kaufen, dann wird die Prämie vor einer Krise bezahlt.
Die Regierung könnte die Rendite auf Staatsanleihen besteuern und diese Erträge dem öffentlichen Risiko zurückgeben.
Aber das wollen wir doch alle nicht, oder? Reserven bei der Fed machen die Fed zur finalen Instanz. Versicherung bedeutet, dass eine Regierungsstelle garantiert – wie die FDIC im Desasterfall das Finanzministerium unter Druck setzt. Steuern auf die Erträge bedeutet, diese Firmen als öffentliche Versorgungsunternehmen zu behandeln. Wir wollen nicht, dass der Staat wieder den Geldbereich übernimmt. Genau deshalb wurde die CBDC einst verboten.
Zurück in die Geschichte: Um 375 v. Chr. saß auf dem Marktplatz von Athen ein Sklave am Tisch der Banker, um Silbergeld zu prüfen. Er zerschnitt vergoldete Fälschungen und gab echte Münzen dem Kunden zurück. Solange die Silberstücke reines Silber waren, ließ er sogar ausländische Imitate des Athener Eulenmotivs zu. Ein Gesetz verpflichtete Händler, jede Münze zu akzeptieren, die er für echt erklärte.
2400 Jahre später, sind wir wirklich am Ziel? Erfreulich ist, dass große Veränderungen immer mit Lücken einhergehen und diese Lücken im Laufe der Zeit geschlossen werden. Vielleicht sind die Reserven in zehn Jahren größer und die Regeln wirksamer.
Doch du musst auf die Kompromisse achten.
Überlege, was du aufgibst: Deine Dollar sind durch die FDIC versichert, die Federal Reserve kann im Panikfall Geld drucken. Es geht langsam, aber es ist eines der zuverlässigsten Vermögenswerte. Die Banken verleihen die Dollar bereits am Tag ihrer Ausgabe. Die Federal Reserve senkte 2020 den Mindestreservesatz auf null; dein Geld muss laut Gesetz nicht bei der Bank liegen. Die wahre Sicherheit kommt von der FDIC-Versicherung – dieser Fonds hält etwa 154 Milliarden Dollar, um Einlagen landesweit zu sichern. Konkret: Für jeden Dollar Deckung gibt es etwa 1,5 Cent Reserve. Trotzdem reicht das nicht bei systemischer Panik. Wenn der Fonds erschöpft ist, muss die FDIC sofort ihr Back-up-Kreditlimit beim Finanzministerium aktivieren – oder mit der Fed Noten drucken, um Liquidität freizusetzen.
Im März 2023 traten drei der größten Bankpleiten der US-Geschichte auf: Silicon Valley Bank, Signature Bank und First Republic Bank. Um einen Run zu verhindern, setzten Aufsichtsbehörden das Limit von 250.000 Dollar pro Konto außer Kraft und entschädigten alle nicht versicherten Einleger – genauso wie später bei den Stablecoins. Das kostete den FDIC-Fonds rund 20 Milliarden Dollar.
Stablecoins sind billig, schnell und immer verfügbar. Die Reserven liegen on-chain in einsehbaren Tresoren, und die besten Emittenten veröffentlichen monatlich Quittungen – mehr Transparenz als die Bank beim Einlagenmanagement.
Würdest du die erste Lösung gegen die zweite eintauschen?
Ich würde das ohne Zögern tun. Vielleicht du auch. Du hast diesen Artikel gelesen, du bist im Thema, du kennst das Prinzip der Entankerung und weißt, wo du starten musst. Aber die echte Prüfung betrifft den Durchschnittsbürger. Der nutzt USDC, weil er so am einfachsten Dollar halten kann. Und der Laden akzeptiert PYUSD, weil die Gebühren niedriger sind. Die meisten nehmen das Risiko hinter dem einfachen System nie wahr.
Am Ende verbreitet sich Bequemlichkeit schneller als Verständnis.
Der Wert deines Geldes hängt vom Ruf des Emittenten ab, und der Ruf des Emittenten hängt wiederum vom Ansehen des Staates, der dahinter steht.
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